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Pro-Regio Bestenliste 2005 - In Kürze
Der Bildband Südheide wurde von „Pro-Regio-Online, einem
Informationsnetzwerk für Literatur und Publikationen zum Ländlichen Raum,
ausgezeichnet und in die Bestenliste 2005 aufgenommen. Die
PRO-REGIO-ONLINE-Redaktion sammelt alle ihr zugänglichen Veröffentlichungen zum
Ländlichen Raum, sortiert, bespricht und systematisiert sie nach den von ihr
entwickelten Bewertungsrastern und gibt diese Informationen dann über ihre
Webseiten weiter: siehe
www.pro-regio-online.de / BestenListe 2005
Buchbesprechung
von Pro-Regio
Hans Bednar / Kim Meyer-Cech. Südheide. Das
namenlose Wunderland vor den Toren Wiens. Verein für Geschichte und
Sozialkunde - Mandelbaum Verlag, Wien 2003 (ISBN 3-85476-809-0).
Der Markt für aufwendig-gestaltete Bildbände
boomt. Schöne Bilder sollen die inneren Bilder bestätigen und die eigenen
Projektionen "rahmen". Auch dieser Bildband bietet viele schöne Bilder von
bunt-blühenden Landschaften, von in das Abendlicht getauchten Sonnenuntergängen
und von prächtigen Stillleben in alt-ländlichen Nischen. Aber er produziert
diese Bilder an einem Ort, wo diese keiner vermutet. Ihr Entstehungsort ist das
"namenlose Wunderland vor den Toren Wiens", das die Autoren - mangels eigener
Landschaftsbezeichnung - die "Südheide" getauft haben. Eine klassische
Vorstadtregion wird zum Raum einer echten "Zwischenstadt-Reportage", einer
Motivsuche im Zwischenland zwischen den industriell-urbanen Randbezirken Wiens
und einer landwirtschaftlichen Intensivregion.
Während anderswo das Originelle, das Urwüchsige,
das geschichtlich Authentische, gesucht wird, gilt hier das Interesse dem
"Dazwischen", der sozialen Mischung, dem Überformten, dem Widersprüchlichen. Die
einzelnen Kapitel dieser Echtzeit-Spurensuche haben befremdliche Überschriften:
Steppe, Dschungel, Sonniger Süden; Wasserwelt; Das Post-Industrie-Viertel;
Welches ist das wahre Gesicht ? Das begehrte Land. Schon in diesen Bezeichnungen
steckt eine Wort-Provokation, die jeden Anschein von Idylle vertreibt: Hier geht
es um das Wahrnehmen einer Realität, um das Begreifen einer Landschaft in der
Jetzt-Zeit und im heutigen Raum: "Wo sind wir hier ?"
In einer Bildergeographie wird Schritt für Schritt
in diese Raumschaft eingeführt, Landschaft "gelesen". Viele Fotos und auf diese
bezogene Untertitel machen den Leser zu einem Geo-Touristen, der durch fachlich
gestützte Texte immer tiefer in dieses Zwischenland vordringt, über seine
Raumbeschaffenheit, Strukturen, Menschen, Traditionen und heutigen Bewohner viel
erfährt, aber immer auf einer merkwürdig kritischen Distanz bleibt, denn: Kann
man eine "Steppe" lieben, ein "Post-Industrieviertel" Heimat nennen, ein "Volk
der Zuagrasten" als Nachbarn empfinden, "Halbierte Höfe" als Dorf erleben, die
tägliche "Verkehrsfalle" als Mobilitätsoption feiern ?
Solche Widersprüche zieren diesen Bildband und
lassen seine Goldrahmung nicht zu. Die Unbegrenzbarkeit stiftet einen
emotionalen Chaos, denn sie erschwert die Verortung in einer Landschaft der
direkt aufeinander prallenden Interessensgegensätze. Das Suburbia-Zwischenland
trägt die ganzen Widersprüche von Stadt und Land, Metropole und Region,
Beschleunigung und Entschleunigung, in sich. Und über diesen Reise-Bildband
werden diese offen-sichtlich. Die wirkliche Lebensqualität liegt irgendwo
dazwischen, dahinter oder darunter. In einer solchen Landschaft nach den
Ressourcen einer möglichen Regionalentwicklung zu suchen, ist die eigentliche
Aufgabe der Gegenwart, denn solche Regionen gibt es fast überall und überall
immer mehr.
Aus diesem Grunde ist diese
"Zwischenland-Reportage" ein Vorbote für eine längst notwendige Expedition ins
heutige neue Reich des "Zwischen-Städtischen", in den neuen Lebensraum
durchmischter Zwischenland-Realitäten. Ein Buch das somit neue Wege beschreitet
und eine Vorlage für andere Regionen und andere Bilder-Suchen sein könnte. Aus
diesem Grunde gehört es in unsere BestenListe, denn es zeigt, daß auch die harte
Realität in schönen Bildern Utopien freisetzen kann, die über ein bloßen
"Zwischen-Stadium" hinausreichen können und das Potential zu
"Zwischenstadt-Visionen" in sich haben können.
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